Juni 9, 2020

Digitalisierung – In der Krise wichtiger denn je

Es ist ein Thema, welches seit Jahren in Deutschland heftig diskutiert wird. Die Digitalisierung. Immer wieder hört man, die Unternehmen müssen digitaler werden und längst im Zug der Internet of Things (IoT) sitzen sollten. Doch wo stehen wir aktuell? Welche Erkenntnisse können wir aus der noch immer aktuellen Corona-Situation ziehen?

Corona zeigt deutlich – Die Digitalisierung geht uns alle an

Seien wir doch ehrlich. Skype, Zoom oder andere Video-Konferenz-Software war für uns zwar ein bekannter Begriff, jedoch konnten die meisten Leute hiermit nicht viel anfangen oder haben es einfach nicht benötigt. Seit Corona verzeichnen diese Anbieter jedoch einen siginifikanten Anstieg an Nutzern. Kontaktbeschränkungen & Besuchsverbote bringen die Menschen dazu, Alternativen zu nutzen, um mit ihren Liebsten in Kontakt zu kommen oder mit Geschäftspartnern vom Homeoffice aus das Business am Leben zu halten.

Die Zustimmung der Bevölkerung zur Digitalisierung wächst täglich weiter. Unsere Bundesregierung hat es nur leider bisher komplett verschlafen. Hängeregister, Umlaufmappen und Faxgeräte gehören nach wie vor zu einer ordentlichen standardisierten Büroausstattung. Gleiches gilt natürlich auch für Schulen, Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen.

Digitale Transformation statt kleinen Geldgeschenken

Am Mittwoch hat die Bundesregierung beschlossen ein Konjunkturpaket in Höhe von 130 Milliarden Euro auf den Weg zu bringen um die durch die Corona-Krise gebeutelte Wirtschaft etwas anzukurbeln. Investitionen in digitale Transformation? Digitalisierung von deutschen Verwaltungen? Weit gefehlt! Stattdessen gibt es einen einmaligen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro pro Kind, befristete Senkung der Mehrwertsteuer und Milliardenhilfen für Firmen, die während der Krise nicht ganz so viele Milliarden erwirtschaften konnten als vor der Krise. „Maßnahmen zur Stimulierung des Konsums“ nennt die Bundesregierung das zum Konjunkturpaket zugehörige Konstrukt. „Wenn die Leute mehr Geld in der Tasche haben, wird mehr gekauft, was wiederum die Wirtschaft ankurbelt“, so lautet das Kernargument der Bundesregierung.

15 Millionen Kurzarbeiter in Deutschland

15 Mio. Deutsche beziehen derzeit Kurzarbeitergeld, wie lange noch, ist ungewiss. Bedingt hierdurch fehlen den Deutschen im Schnitt 400 Euro netto pro Monat. Geht man davon aus, dass das Kurzarbeitergeld über eine Dauer von 6 Monaten bezogen wird, sind das 2.400 Euro, die im Schnitte in jedem Haushalt fehlen. Haben Sie ein Kind? Glückwunsch, dann sind es nur 2.100 Euro die fehlen. Da kann man dann schon einmal über einen neuen Fernehser nachdenken, auf denen es ja derzeit 3% Rabatt gibt. Apropos Rabatt:

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Dies ist tatsächlich ein Post auf Facebook der CSU. Veröffentlicht am 04.06.2020

Die CDU/CSU ist bemüht darum, dass es den Leuten gut geht, diese Infografik jedoch ist einfach nur peinlich. Bitte lasst das in Zukunft.

Zwar hat die Bundesregierung die Bedingungen für das Kurzarbeitergeld im Sozialschutzpaket II verbessert, doch ob die geänderten Bedingungen uns Arbeitnehmern helfen wird bleibt offen. Ab dem 4. Bezugsmonat von Kurzarbeitergeld soll der Anteil von 60% auf 70%, ab dem 7. Bezugsmonat auf 80% steigen. Haushalte mit Kindern können mit zusätzlichen 7% rechnen. Somit gibt es für die ersten drei Monate nichts, außer der üblichen 60% bzw. 67% Kurzarbeitergeld. Und genau das ist der Knackpunkt. Den Menschen fehlt es jetzt an finanziellen Mitteln und nicht erst im 4. Monat.

Administrativer Aufwand statt Unterstützung für Unternehmen und Konsumenten

Durch die Mehrwertsteuersenkung auf 16% gibt es einen Rabatt von 3% auf alles. Klingt erstmal nicht schlecht, doch ist das wirklich so? Dass die Unternehmen, Händler und der Einzelhandel diesen Rabatt weitergeben bleibt fraglich. Der administrative Aufwand, den die Unternehmen durch die Senkung der Mehrwertsteuer haben ist auch nicht zu verachten. Buchhaltungssysteme, Rechnungsprogramme & Preisauszeichnungen müssen komplett umgestellt werden. Hier kommen Aufgaben auf die Unternehmen zu, die Zeit, Geld und Nerven kosten werden. Da diese Senkung auf den 31.12.2020 befristet wird, müssen am Jahresende alle Systeme wieder auf die reguläre Umsatzsteuer von 19% umgestellt werden. Doppelter Aufwand sozusagen.

Die kleinen Unternehmen, die am stärksten von der Krise betroffen sind, werden die Mehrwertsteuersenkung kaum spüren dürfen. Das, was die Ertragslage verbessern soll, wird vermutlich nur die großen Konzerne mit Millardenumsätzen erreichen. Der kleine Unternehmer wird in die Röhre schauen müssen.

Kaufprämie für Neuwagen

Kaufprämie für Neuwagen?! Familien knabbern an Ihrer Existenz. Einkommenseinbrüche müssen durch Zweit- gar Drittjobs überbrückt werden und die Autolobby fordert eine Kaufprämie für den Kauf von Neufahrzeugen. Was sind schon 40.000 Euro für einen neuen Mittelklassewagen, der vom Staat gefördert wird und nachher vielleicht „nur“ noch 35.000 Euro kostet. Der Verband der Autoindustrie (VDA) und das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hatte den Vorschlag der Kaufprämie gemacht, der glücklicherweise von der Bundesregierung nun doch nicht in das Konjunkturpaket aufgenommen wurde. Hierfür ein Dank der Bundesregierung, schlechte und lobbygetriebene Ideen diskussionslos abzulehnen.

Nun sind wir etwas abgeschweift vom eigentlichen Thema. Kommen wir zurück auf das eigentliche Thema des Artikels.

Digitalminister – Eine Stelle die seit 10 Jahren besetzt sein müsste!

CDU und CSU haben in ihrem gemeinsamen Regierungsprogramm versprochen, ein Digitalminister zu schaffen. Auch in der SPD war dies einst Konsens. Führerende Vertreter der SPD haben sich gar für ein eigenständiges Digitalministerium ausgesprochen. Doch passiert ist bis dato immer noch nichts. Bekanntestes Problem Breitbandausbau oder 5G. Es sind zwei Felder, mit dem sich ausschließlich ein Digitalministerium beschäftigen sollte. Stattdessen werden diese beide Themen in Ministerien behandelt, in welchen Politiker sitzen, die hiervon einfach keinen blassen Schimmer haben. Diese Themen werden im Prinzip nur hin und her gereicht, verantwortlich fühlt sich keiner. Und genau hier ist der Punkt erreicht, endlich ein entsprechendes Ministerium aufzubauen, dass sich ausschließlich diesen sehr wichtigen Themen widmet!

Digitalisierungsstau stoppen – Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Breitbandausbau, Blockchain und Künstliche Intelligenz (KI) sind längst in der Welt angekommen und nicht mehr aufzuhalten. China, Amerika und andere wirtschaftsstarke Nationen treiben den Ausbau dieser Technologien immer weiter voran und investieren bereits Milliarden in diese Felder. In deutschen Firmen herrscht wiederum nach wie vor gähnenden Leere. Die oben genannten Begriffe sind nicht selten Fremdwörter in den Chefetagen unserer Familienunternehmen. Das sorgt für eine Art „digitale Abhängigkeit“. Wir nutzen Systeme und Anwendungen, die meist in US-Konzernen entwickelt wurden und werden, ohne weiter darüber nachzudenken. Eigene Systeme entwickeln und dafür neue Technologien zu nutzen scheint in der deutschen Wirtschaft nicht nötig zu sein.

Es muss endlich ein Umdenken stattfinden. Wir haben die nötigen Fachleute, das Kapital und vor allem Startups, die sich diesen Themen widmen, aber bisher keine Anlaufstelle für Unterstützungen aller Art finden. Um kurz mal auf das Thema Blockchain einzugehen. Blockchain wird das Internet 2.0, daran ist nichts mehr zu ändern, doch unsere Politiker diskutieren darüber, wie man hier Regulierungen oder Einschränkungen schafft, statt sich das Thema zu Herzen zu nehmen und sich ausgiebig mit der Materie zu befassen und eventuell sogar für die eigenen Verwaltungen zu nutzen, um sie endlich digitaler zu machen.

Ich selbst bin sehr heiß auf das Thema Blockchain, denn die Technik der Blockchain ist so unwahrscheinlich interessant. Ich hoffe, dass sich die Einstellung unserer Regierung schon bald ändert und das Potenzial dieser Technologie ebenso erkennt. Ich selbst bin Teil eines Blockchain-Startups, jedoch aus oben genannten Gründen firmiert in der Schweiz. Die Schweiz ist nach wie vor die erste Wahl, wenn es um die Gründung einer Blockchain-Tech Firma geht, da die Schweizer unlängst das Potenzial erkannt haben und Startups in diesem Bereich sogar fördert, allen voran der Kanton Zug, welcher auch als „Krypto Valley“ bezeichnet wird.

Mein persönliches Fazit zur aktuellen Lage

Bringt das Thema Digitalisierung endlich in unsere Verwaltungen, Universitäten, Hochschulen voran und vorallem behandelt es endlich in der Politik! Hört endlich auf, die Digitalisierung als „Trend“ zu bezeichnen! Schafft ein eigenes Ministerium, welches sich ausschließlich mit digitalen Themen beschäftigt, damit wir wenigstens teilweise den Vorsprung anderer Industriestaaten aufholen können. Wir drohen sonst den Anschluss komplett zu verlieren. Die aktuelle Lage zeigt umso deutlicher, wie wichtig die Digitalisierung in unserem Land ist. Wir sind irgendwo vor 10 Jahren stecken geblieben und kommen nicht mehr raus. Die einzige und letzte Rettung kann uns nur ein Digitalministerium bringen. Aber bitte bestückt dieses auch mit kompetentem Personal, die Ahnung von dem haben, was sie tun.